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Dieter Nuhr im Atelier, Fotografie (c) Tayfun Belgin


Dieter Nuhr
Von Fernen umgeben
Digitale Fotografie
8. Mai bis 26. Juni 2022



Dieter Nuhr ist multimedialer Künstler. Mit seiner Arbeit als Satiriker bringt er Millionen Zuschauer zum Nachdenken und Lachen, seine künstlerische Arbeit aber ist stiller, introvertierter und vor allem: humorlos. Nach seinem Kunststudium hörte Nuhr nie auf, Bilder zu machen. Für ihn war und ist die bildende Kunst immer ein zentraler Teil seines Werks. In den 90er Jahren legt er Pinsel und Ölfarbe beiseite und beginnt mit der Arbeit an digitalen Bildern, Fotografien mit zutiefst malerischem Charakter.

Seine Bilder sammelt er über Jahrzehnte auf ausgedehnten Reisen durch fast hundert Länder, aber auch in seiner Heimat, dem Bereich Rhein-Ruhr. Nuhr ist geboren in Wesel und aufgewachsen in Düsseldorf, studiert hat er in Essen. Bildern aus der Fremde setzt er die Bilder aus seinem Revier entgegen. Die Motive, Landschaft, Architektur, Gegenstände in unterschiedlichen Abstraktionsgraden, werden isoliert, wachsen aus malerischen Strukturen heraus und verlassen, obwohl sie zu hundert Prozent aus Fotodaten bestehen, das Terrain bloßer Abbildung.

Nuhr programmiert seine digitalen Pinsel, belegt sie mit fotografischem Material, Farben, Strukturen und malt mit Daten. In zahllosen Schichten entstehen Gemälde aus Bits und Bytes, eine sehr zeitgenössische Form der Malerei, die sich im Datenraum vollzieht. Am Ende seiner Arbeit steht eine Bilddatei, die dann in der Ausbelichtung wieder zum fassbaren Unikat wird. Alle Bilder sind Einzelstücke.

Wie im menschlichen Gedächtnis wird das Festgehaltene auf das Wesentliche reduziert. Oft bleibt vom ursprünglichen Foto nur noch ein Streifen übrig. Die einst scheinbar objektive Darstellung von Sichtbarem wird zum Zitat. Bildmotive erscheinen phantomhaft wie geisterhafte Erinnerungen aus raumloser Farbe. Alles Unwesentliche wird getilgt, Details lösen sich auf in Felder und Linien. Das Reale verschwindet, aus Fotos wird ein Bild.

Dieter Nuhrs Arbeiten wirken wie Abbildungen des Vergessens. Das einst für bildwert Empfundene und deshalb Fotografierte verliert sich, löst sich in weiten Teilen auf, um dann im malerischen Prozess neu konstruiert zu werden. Bilder entgleiten und bilden sich neu. Aus der Vermalung destilliert sich eine Bildrealität, die sich zwar vollständig aus objektiv Abgebildetem entwickelt, in der malerischen Neukonstruktion aber zur autonomen Wirklichkeit wird. In der Bearbeitung emanzipiert sich das Bild von der Wirklichkeit. Aus Vergangenem wird neue Gegenwart.

Nuhrs Arbeiten befinden sich in bedeutenden Sammlungen und werden international in Museen, Galerien und auf Kunstmessen gezeigt, unter anderem auf der Jinan Biennale, der Shanghai Photography Art Exhibition und im Luxehills Art Museum Chengdu in China, demnächst im Pushkin Museum St. Petersburg in Russland und im Sommer während der Biennale in der Nationalbibliothek Marciana in Venedig. Ab 7. Mai sind seine Arbeiten im Osthaus-Museum Hagen zu sehen.





Im Atelier von Dieter Nuhr, Fotografie (c) Tayfun Belgin