Landschaftsbilder von Christian Rohlfs

"Ich habe meine Naturanschauung im Wesentlichen beibehalten aber versucht
immer mehr Unabhängigkeit meinem Objekt gegenüber zu gewinnen." (Christian Rohlfs 1905)

Das Osthaus Museum Hagen besitzt 28 Gemälde von Christian Rohlfs in Öl oder Tempera auf Leinwand. Nahezu die Hälfte stammt aus der Weimarer Schaffenszeit des Künstlers bis 1900. Die Landschaftsbilder und Veduten zwischen 1880 und 1930 lassen eine Entwicklungslinie, ausgehend vom Naturalismus der Akademiezeit bis hin zur lichten Temperamalerei des Spätwerks, erkennen.

Um 1880 wendet sich Rohlfs der Landschaft zu. Wegweisend ist für ihn die Naturauffassung der Barbizon-Maler: wenig beachtete, schlichte ländliche Motive in kleinen Bildformaten. In den beiden Gemälden Haustür (um 1880/82) und Mädchen in der Grotte (1886) spielen noch genrehafte, pittoreske Elemente eine Rolle, die einem zunehmend realistischen Blick weichen. Mit den beiden Weimarer Brücke-Bildern Schlossbrücke (um 1887) und Die Ilmbrücke in Oberweimar (1888), finden sich in der Hagener Sammlung zwei hervorragende Beispiele für Rohlfs’ damaliges Interesse an der Wiedergabe visueller Natureindrücke, insbesondere von Wasserspiegelungen und Lichtreflexen. Obwohl mittels Lokalfarben und fein abgestufter Tonalität der genauen Naturbeobachtung verpflichtet, beginnt der Farbauftrag schon pastoser und freier zu werden. Noch stärker tritt die Farbe als Materie in der Thüringer Landschaft (1888) und dem Steinbruch (1889) in Erscheinung, wo die bewegte, gespachtelte Malfläche die Landschaftseindrücke in ein sinnliches, nahezu haptisches Erlebnis verwandelt.

Die pointillistischen Bilder Parkeingang in Weimar (um 1902) und Ruhr bei Hohensyburg (um 1902/03), stehen für den Anfang einer neuen experimentellen Phase, die 1901 mit dem Umzug von Weimar nach Hagen einsetzt. Die divisionistische Methode eröffnet ihm einen freieren Umgang mit Form und Farbe, der sich kurz darauf in expressiven Kompositionen wie dem Kiefernwald (1904) manifestiert.

Ein Beispiel für experimentelle Mischtechnik ist das Alte Haus in Dinkelsbühl von 1921, bei dem Rohlfs Öl und Tempera miteinander kombiniert. Bewegte Pinselzüge konturieren die Architektur eines breit gelagerten Fachwerkhauses, dessen tief abgeschlepptes Dach als leuchtendes Rot sich gegen das Braunschwarz der Fachwerkfassade und den schmutzig weißen Himmel abhebt.

Das Spätwerk Gasse in Ascona (um 1930) zeugt von Rohlfs’ Streben nach Immaterialität, indem er Gegenstand und Farbmaterie durch verschiedene Bearbeitungs-verfahren aufbricht und die kompakte Form auflöst.

Birgit Schulte