In die Natur!

Raus aus den engen Ateliers, hinaus an den See: zwischen der Faszination Großstadt und der Sehnsucht nach Natur waren nicht nur die Künstler in der Zeit nach 1900 hin und hergerissen. "Natur" stand dabei für das "Ursprüngliche", "Unverfälschte", dem die Künstler des Expressionismus "draußen im Grünen" ebenso nachspürten wie in den Werken der außereuropäische Kunst oder von Kindern.

Im Werk  Otto Muellers (1874-1930)
kehren Motive wie dieses immer wieder: weibliche Akte, badend, umfangen von grünen Landschaften. Die Figuren wirken rein und klar, ganz im Einklang mit der Natur, die sie umgibt. Sie wirken geborgen in einer Abgeschiedenheit und Ruhe, die auf den Betrachter geradezu erholsam wirken kann.

Die Wirklichkeit war natürlich ganz anders: so reiste Otto Mueller zusammen mit seinen Künstlerfreunden Heckel, Kirchner und Pechstein 1910 an die Moritzburger Seen bei Dresden. Die jungen Mitglieder der Künstlergruppe  "Die Brücke"
hielten sich dort mit Freunden und Freundinnen auf, die auch als Aktmodelle in die Bilder Eingang fanden. Auch Otto Mueller wählte Modelle aus seinem nahem Umfeld, oft sind es seine Geliebten oder Ehefrauen, die selbstbewusst und im Einklang mit sich in der Landschaft verankert sind.

Es werden spannende und intensive Tage gewesen sein an diesen Seen, für die Künstler und die Menschen, die ihnen nahe standen. Auch in den folgenden Jahren kehrte Mueller an die Moritzburger Seen zurück. Aus der Zeit um 1926 stammt das gezeigte Bild "Mädchen am Wasser". Das Original ist im Gemäldesaal des Osthaus Museums zu sehen.


Mehr über Otto Mueller erfährt man im Katalog zur kürzlich im  Lehmbruck Museum
gezeigten Ausstellung.



Otto Mueller: Mädchen am Wasser, um 1926, Leimfarbe auf Rupfen, 97 x 130 cm, Osthaus Museum Hagen