HEINRICH BROCKSIEPER
EIN HAGENER AM BAUHAUS
Unter den ersten Studierenden am Bauhaus in Weimar, vom Wintersemester 1919 bis 1922, war auch der in Hagen geborene Maler Heinrich Brocksieper (1898-1968) – angeregt u.a. durch die erste große Lyonel Feininger-Ausstellung im Hagener Museum Folkwang. Nach dem Studium, vor allem bei Johannes Itten, hielt Brocksieper noch bis 1933 einen intensiven Kontakt zum Bauhaus und reiste wiederholt nach Weimar, Dessau und Berlin. Analog zu den Entwicklungen am Bauhaus unter dem Einfluss von Lázló Moholy-Nagy, befasste auch Brocksieper sich ab 1927 ausschließlich mit Fotografie und insbesondere experimentellem Film und beteiligte sich auch nicht mehr als Maler an Ausstellungen. Ab 1933 lehnte er Anfragen für offizielle Atelierbesuche sowie Ausstellungsangebote durch die Nationalsozialisten ab und setzte seine Arbeit in der selbst gewählten Isolation fort. In dieser Zeit entstand auch der Kontakt zu Emil Schumacher (1912-1999). Der 14 Jahre ältere Bauhaus-Künstler Brocksieper wurde für Schumacher zu einem wichtigen Freund und nicht zuletzt Gesprächspartner – der Kenntnisse und Fähigkeiten, die er insbesondere während des Studiums am Bauhaus erworben hatte, mit ihm teilte.

Durch einen Bombenangriff wurden 1944 Haus und Atelier Brocksiepers mit dem darin gelagerten Großteil seines bisherigen Œuvres vernichtet. Ab 1945 nahm er trotz dieses Rückschlages die künstlerische Tätigkeit neu auf und unterhielt wieder schriftlichen Kontakt zu seinen Freunden aus der Zeit am Bauhaus. Alltagsgegenstände mit den Spuren des Gebrauchs, Porträts und Selbstbildnisse in ihrer Stofflichkeit waren sein zentrales Thema. Die Ausstellung im Jahr des Bauhaus-Jubiläums gedenkt dieses talentierten Künstlers aus Hagen mit einer Retrospektive. Frühe Arbeiten aus der Zeit am Bauhaus, ebenso wie Experimentalfilme und Fotos können ebenso wie das Spätwerk des Künstlers neu entdeckt werden.

„Heinrich Brocksieper – Ein Hagener am Bauhaus. Die Stofflichkeit der Dinge“ ist Teil des Bauhaus-Jubiläums in NRW. "100 jahre bauhaus im westen" ist ein Projekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Schirmherrin ist Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.


Hg.: Ulrich Schumacher und Rouven Lotz.
Mit einem Vorwort von Ulrich Schumacher sowie einem Beitrag von Rouven Lotz
80 Seiten, 80 Abbildungen, Hardcover, € 23 (€ 28 im Buchhandel)
ISBN: 978-3-86206-744-2
Erhältlich ab 24. März 2019 im Museumsshop oder unter
info@esmh.de